Frau und Frau Müller

Frau und Frau Müller

Soziale Inkomeptenz

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Diese Woche sprechen wir nicht nur über unsere eigene soziale Inkompetenz, sondern auch über die der anderen. Speziell über Menschend, die persönliche Grenzen überschreiten und wie man als Mensch, Eltern und nicht heteronoramtive Person damit umgeht. Viel Spaß. Feedback und Kommentare gerne an frauundfraumueller@gmail.com


Kommentare

by Crissi on
Also bzgl Autisten: (zu mir, ich habe bei mir selbst den Verdacht, aber noch keine offizielle Diagnose) Es gibt natürlich bei Autisten sehr verschiedene Persönlichkeiten, dementsprechend ist es schwer, da irgendwas allgemeingültiges zu sagen Aber es gibt da grob zwei Gruppen: die die sich anpassen und die, die sich eher zurückziehen. (ich persönlich bin da so in der Mitte: ich gebe mich nur mit Leuten ab, die mich so akzeptieren, wie ich bin) Leider ist es halt so, dass natürlich sehr viel öfter Missverständnisse passieren, was Autist_innen dann sehr verunsichert und nicht selten auch zu Sozialphobien führt. Die Autist_innen, die sich nicht zurück ziehen und versuchen "normal" zu sein, betreiben sogenanntes "Masking". Das ist vor allem bei weiblichen Autisten weit verbreitet (weshalb sie auch schwerer zu diagnostizieren sind). Bei Männern ist grenzüberschreitendes und unangebrachtes Verhalten ja eher akzeptabel, als bei Frauen, die in ihrer Geschlechterrolle ja eher unauffällig und angepasst sein sollen. Und ja: ich würde schon sagen, dass Autisten sich da eine Art "regelwerk" zusammenstellen. Vor allem durch Recherche und Beobachtung Die Frage ist ja auch immer, wie stark der/die jeweilige Autist_in beeinträchtigt ist. Es ist ja ein Spektrum. Kann die Person schlecht Gestik und Mimik interpretieren, oder gar nicht? Ich persönlich arbeite halt sehr viel über die rationale Ebene und werde dadurch immer besser, Leute einzuschätzen. Allerdings nur im kleinen Maßstab: während ich gut auf eine Person eingehen kann, werden mir große Gruppen schnell zu viel. Ich versuche halt immer hinterher die Situationen zu analysieren und zu verstehen. Was halt sehr wichtig ist, ist zu verstehen, dass man manchmal keine Schuld trägt und entweder die Situation echt beschissen war, oder die andere Person sich komplett daneben benommen hat. Das führt halt dazu, dass ich in Ausnahmesituationen gar nicht reagiere, weil ich nicht weiß, wie, oder was eigentlich angemessen ist. Ich spüre schon so unterbewusst, dass was nicht okay ist, aber, dass da teilweise übelste Grenzüberschreitungen begangen wurden, wird mir oft erst hinterher klar... Leider lese ich da sehr häufig in Selbsthilfegruppen, dass Autist_innen sich sehr oft übergehen lassen, weil sie, wenn was falsch läuft, häufig erstmal die Schuld bei sich suchen. Übrigens, weil ihr Empathie angesprochen habt: natürlich sind Autisten zu Empathie fähig (also die meisten, keine Empathiefähigkeit ist nochmal ne eigene Geschichte), allerdings ist Empathie in mehrere Bestandteile gegliedert und einige funktionieren bei Autisten nicht. Ich sage das nur dazu, weil Empathielosigkeit immer so klingt, als wäre man asozial, oder es wären einem andere Menschen egal. Und das ist nicht so bei Autist_innen. Um die Fähigkeiten eines Autisten besser zu verdeutlichen: Ich stelle mir Autismus immer so vor: das Gehirn besteht quasi aus Modulen. Du hast ein Modul, das interpretiert Mimik, eins das interpretiert Berührungen, ect, ect. Diese Module funktionieren ganz automatisch und intuitiv beim normalen Menschen, beim Autisten, aber nicht (je nach Autist funktionieren auch andere Module weniger gut, oder sogar gar nicht). Der Autist muss nun also mit seinem aktiven Bewusstsein diese Funktionalität nachbilden. Da das Bewusstsein aber nicht auf diese speziellen Aufgaben trainiert ist, ist das sehr anstrengend für den Autisten. (z. B. Wurde ja in Forschung nachgewiesen, dass bei Autisten die Spiegelneuronen nicht funktionieren / nicht vorhanden sind. Diese helfen sich in andere Menschen hineinzuversetzen) Vergleichbar mit einem Computer: der Computer hat spezialisierte Module, wie Grafikkarte, Soundkarte, Netzwerkkarte und die CPU, die allgemeinere Tätigkeiten ausführt. Theoretisch kann die CPU auch all diese Funktionalität selbst berechnen, dies ist aber sehr ineffizient. Das macht soziale Interaktionen für Autisten extrem anstrengend. Nicht selten führen die Anstrengungen des Tages bei Menschen mit Autismus dann daheim zu Meltdowns oder Shutdowns (also quasi Nervenzusammenbrüchen) und auf Dauer dann zu psychischen Krankheiten. Und zum Thema Grenzüberschreitung und Autismus: Ich denke, dass Autisten häufiger Grenzen überschreiten, einfach weil sie subtile Warnsignale des Gegenüber nicht wahrnehmen (wie Veränderungen im Tonfall, ect), aber sicherlich nicht mit Absicht. Und viele Autisten sind auch sehr selbstreflektiert und wollen das ja eigentlich gar nicht. Umgekehrt sieht das ganz anders aus: unsere Grenzen werden sehr oft überschritten und nicht akzeptiert. Es ist einfach schwierig, weil unsere Grenzen an ganz anderen Stellen liegen, als bei neurotypischen Menschen (NTs). Menschen (auch Autisten) schließen leider sehr oft von sich selbst auf andere. Deshalb verstehen NTs nicht, dass man Berührungen eben nicht gerne mag und dass eben so Kleinigkeiten (wie gemeinsam essen) eben sehr anstrengend sein können (für sie ist das ja ganz normal, für uns der pure Stress)... Wir sind halt sehr schnell überfordert, weil unser Gehirn die Reize nicht richtig filtert und wir dann quasi von Informationen überschwemmt werden. Und wenn dann Sprüche kommen, wie man müsse sich ja nur mal zusammen reißen... Leider ist es ein Phänomen in unserer Gesellschaft, dass alle Probleme kleingeredet werden. Egal mit was man kommt, solche Leute sagen dann "du willst Probleme haben? Der xy hat Probleme! Der hat Krebs!". Aber wenn dann jemand Depressionen bekommt (oder schlimmer), heißt es auf einmal, warum man denn nie was gesagt hat, ne? Wir müssen uns einfach gegenseitig wertschätzen und unsere Grenzen respektieren lernen! Egal ob hetero, Homo, neurotypisch, oder neurodivers. Wir müssen einander zuhören und respektieren, was der andere sagt. Und es nicht abtun. Ich finde dich übrigens gar nicht sozial inkompetent. Du machst vielleicht mal was falsch, aber dafür lernst du wenigstens aus deinen Fehlern. Inkompet finde ich da eher die Menschen, die im Vollbesitz der Fähigkeiten der Empathie sind und sie nicht nutzen. Oder schlimmer noch, andere damit manipulieren. Ich kann das übrigens verstehen, dass ihr diesen Besuch unangenehm fandet. Ich persönlich kann kaum jemanden in meinem Zimmer ertragen, oft wird mir da schon meine Mutter nach kurzer Zeit zu viel. Und wenn man dann noch meine Sachen anfingert 😬 Falls euch das freut: mich macht das übrigens total glücklich ein queeres Paar anhören zu können. Es gibt einfach zu wenig Repräsentation in den Medien, immer noch! 🌈🌈🌈
by Die Linkshänderin on
Liebe Frau und Frau Müller! Gerade höre ich Eure aktuelle Folge und muss unbedingt sofort etwas zum Thema Grenzen sagen: Wenn Ihr im Beisein Eurer Kinder klare Grenzen setzt, werden sie es auch lernen. Damit tut Ihr den Kindern also etwas Gutes! Und auch den eigenen Kindern gegenüber muss man ja Grenzen setzen, auch körperlich, damit sie es lernen. Wenn Ihr wollt, dass Eure Kinder später mal weder Opfer noch Täter werden, dann zeigt ihnen Eure Grenzen und zeigt ihnen, wie man Grenzen setzt. Und zum Thema Übergriffigkeit finde ich auch, dass einfach maßgeblich ist, was Ihr fühlt. Ich würde auch nie bei anderen Leuten einfach Schränke öffnen. Gar nicht mal, weil ich denke, dass deren Kaffeetassen privat sind. Aber vielleicht gibt es da spezielle Tassen für Besuch oder "heilige" Tassen, die man immer nur benutzt, wenn man krank ist. Ich versuche, meinen Besuch zu dirigieren, indem ich sage: "Setz dich doch da auf die Küchenbank, während ich uns schnell einen Tee koche." Ich kann mir vorstellen, dass Euer Besuch einfach helfen wollte und deshalb an die Küchenschränke gegangen ist. Und die Schlafzimmertür hat er vielleicht geschlossen, damit Ihr nicht seine Klogeräusche hören müsst. Es gibt bestimmt Leute, die das total nett und rücksichtsvoll finden. Aber wenn Ihr das nicht möchtet, sagt es einfach. Ich kann solche Übergriffigkeiten auch nicht leiden und bin deshalb bei anderen immer ganz vorsichtig und frage, bevor ich etwas mache. Ich fühle mich auch überfordert, wenn ich bei anderen z.B. helfe den Kaffeetisch abzuräumen, weil ich das Zeug dann nur in die Küche stellen kann. Wer weiß, nach welchem System die ihre Spülmaschine einräumen und ob die Marmelade in den Kühlschrank oder in die Speisekammer kommt? Andere empfinden mich dann wieder als unhöflich, weil ich nicht einfach alles von selbst wegräume... Jetzt höre ich mal weiter. Liebe Grüße, Henriette

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